4.2.2 Sprach- und mediengewandte Kinder


Sprache und Literacy

Kinder sollen lernen, sich angemessen in der deutschen Sprache sowie durch Mimik und Körpersprache auszudrücken, längeren Darstellungen oder Erzählungen zu folgen selbst Geschichten zusammenhängend zu erzählen. Sie sollen Wortschatz, Begriffs- und Lautbildung, Satzbau und sprachliche Abstraktion entsprechend ihrem Entwicklungsstand erweitern und verfeinern. Die Verwendung der Dialekte wird unterstützt und gepflegt.

 

Der Sprachstand von Kindern, deren Eltern beide nichtdeutschsprachiger Herkunft sind, ist in der ersten Hälfte des vorletzten Kindergartenjahres vor der Einschulung anhand des zweiten Teils des Bogens „Sprachverhalten und Interesse an Sprache bei Migrantenkindern in Kindertageseinrichtungen (SISMIK) – Sprachliche Kompetenz im engeren Sinn (deutsch)“ zu erheben. Die sprachliche Bildung und Förderung von Kindern, die nach dieser Sprachstandserhebung besonders förderbedürftig sind, oder die zum Besuch eines Kindergartens mit integriertem Vorkurs verpflichtet wurden, ist in Zusammenarbeit mit der Grundschule auf Grundlage der entsprechenden inhaltlichen Vorgaben „Vorkurs Deutsch lernen vor Schulbeginn“ oder einer gleichermaßen geeigneten Sprachfördermaßnahme durchzuführen.

 

Der Sprachstand von Kindern, bei denen zumindest ein Elternteil deutschsprachiger Herkunft ist, ist ab der ersten Hälfte des vorletzten Kindergartenjahres vor der Einschulung anhand des Beobachtungsbogens „Sprachentwicklung und Literacy bei deutschsprachig aufwachsenden Kindern (SELDAK)“ zu erheben. Auf der Grundlage der Beobachtung nach dieser Sprachstandserhebung wird entschieden, ob ein Kind besonders sprachförderbedürftig ist und die Teilnahme am Vorkurs Deutsch oder einer gleichermaßen geeigneten Sprachfördermaßnahme empfohlen wird.


Die pädagogische Fachkraft ist für Kinder ein Sprachvorbild – uns zwar in mehrfacher Hinsicht: in ihrem Sprachgebrauch, in ihrer Haltung gegenüber sprachlicher Kommunikation und Ausdruck sowie in ihrer Einstellung gegenüber Dialekten und anderen Sprachen. Beim Spracherwerb ist das Kind selbst aktiv. Es bildet aus der Fülle der Eindrücke langsam ein System von Regeln, ein „Wissen“, wie Sprache aufgebaut ist. Für die Sprachförderung bedeutet dies: Ein Kind braucht

 

vielfältige sprachliche Anregungen

im Dialog, in Situationen, die sein Interesse wecken und es zum sprechen animieren. Stellen wir uns vor, in einer Gruppe von über 20 Kindern würde jede einzelne Person das starke Verlangen haben, individuell und jederzeit zu reden, zu erzählen, Fragen zu stellen, ohne darauf zu achten, ob sich andere Personen gestört oder gar belästigt fühlen. Schnell entstünde ein Chaos, in dem beispielsweise alle durcheinander reden würden. Die Lautesten wären vielleicht zu hören, aber gemeinsame Zielsetzungen könnten damit definitiv nicht erreicht werden. Hier ist die

 

Fähigkeit des Zuhörens

gefragt: andere Redner bis zum Schluss aussprechen zu lassen, eigene Wortbeiträge kurzfristig aufschieben zu können und abzuwarten, bis man selbst an der Reihe ist, sprechen zu können. Dies gilt auch für Bilderbuchbetrachtungen mit der Gesamtgruppe. In einem Gruppenverband ist es für einen Gruppenleiter (Erzieher) nicht möglich, zu jeder Zeit jedes Kind individuell anzusprechen, diese oder jene Aufgabenstellung zu erfüllen. Also gibt es sogenannte generalisierte Informationen an die Gruppe.

Bsp.: „Kinder: Nehmt euch bitte einen roten Stift und malt alle Kreise rot aus!“ Hier geht es um die Ansprache aller Kinder, ohne dabei jedes Kind einzeln – mit seinem Vornamen – anzusprechen.

Diese Fähigkeit umfasst die

 

Ansprechbarkeit innerhalb einer Gruppe,

in der jedes Kind den Eindruck hat, persönlich gemeint zu sein. Damit sich das Kind in der Gruppe wohlfühlen kann und zunehmend konkreter seine Bedürfnisse äußern kann, muss es sich so artikulieren können, dass die Bezugsperson das Kind verstehen und auf die Bedürfnisse des Kindes eingehen kann.

 

Eine altersgemäße Artikulation sollte möglich sein.

Auch im Umgang mit anderen Kindern und im Spiel drückt das Kind durch Mimik, Gestik und seine Körpersprache aus, was ihm wichtig ist und was es möchte.
In unserer Einrichtung sind wir bemüht, den Kindern in ihrer sprachlichen Entwicklung durch vielfältige Angebote entgegen zu kommen, sie zu begleiten und zu fördern.

Wir singen jeden Tag mit den Kindern und motivieren sie, selbst zu singen in einer entspannten Atmosphäre.

Wir schauen mit der Gesamtgruppe oder einzelnen Kindern Bilderbücher zum Jahreskreis oder ihren individuellen Wünschen an. Außerdem haben die Kinder die Möglichkeit, sich jederzeit in der gemütlichen Bücherecke ein Buch anzuschauen.

Durch Rollenspiele, Fingerspiele, Bewegungsspiele, Reime, Geschichten, Rätsel und Gespräche machen wir die Kinder mit der deutschen Sprache vertraut und treten in Dialog mit ihnen. Sie sollen die „Fähigkeit, Sprache zu produzieren“ als etwas Positives erleben und durch angewandte Sprache Glücksgefühle und -momente erfahren.

Ergänzt wird das Sprachangebot durch: Traumreisen im Traumland Lieder und Geschichten von der CD.

 

Vorkurs Deutsch

Kinder, die einen besonderen Sprachförderbedarf haben und Kinder mit Migrationshintergrund, werden bei uns ab dem 3. Lebensjahr in Kleingruppen, entsprechend ihres Sprachstandes zusammengefasst und in sogenannten Vorkursen zusätzlich zum Alltag in der Gruppe einmal wöchentlich durch oben genannte Aktivitäten im Erwerb der aktiven deutschen Sprachkompetenz unterstützt. Dabei steht das aktuelle Umfeld des Kindes im Mittelpunkt.

 

 

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